Science and society

The following is a comment that has been written for the MaxPlanck Journal and is therefore in German. Please feel free to discuss in English.

Was erwarten die großen Parteien von der Wissenschaft und welche Forderungen stellen sie an diese? Wie sehen sie den Wissenschaftler und den Stellenwert der Wissenschaft in der deutschen Gesellschaft? Kann eine Karriere in der Wissenschaft mit Zeit für Familienleben verbunden werden oder schließt das eine das andere aus? Und wieso sind eigentlich in Deutschland so wenige Frauen in der Wissenschaft beschäftigt, besonders wenn es um Professoren- und Direktoren-Stellen geht? Was kann getan werden, um den Frauenanteil nachhaltig zu erhöhen? Zu diesem Themenfeld stellten wir den großen Parteien Fragen im Bereich Wissenschaft und Gesellschaft. Während Bündnis 90 / Die Grünen und Die Linke alle Fragen einzeln beantworteten, antworteten die FDP und die SPD mit einem Fließtext, aus dem wir die Antworten extrahierten. Die CDU antwortete leider nicht auf unsere Fragen.

Gleichstellungsfragen

Gerade in den Fließtext-Antworten wurde besonders deutlich, wo die Parteien ihre Schwerpunkte setzen. So steht für die FDP im Bereich “Wissenschaft und Gesellschaft” die Frage der Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Beschäftigung als Wissenschaftler fast exklusiv im Vordergrund, auch die SPD legt in diesem Themenfeld  ihren Schwerpunkt auf Fragen der Gleichberechtigung, die sie durch verschiedene Programme umsetzen will. Die Grünen wollen Gleichstellungsziele rigoros umsetzen: auf jeder Ebene sollte sich die Zahl der Beschäftigen aus mindestens 40 % Frauen und ebenso vielen Männern zusammensetzen. Sollte das nicht erreicht werden, können sich die Grünen auch negative Sanktionsmaßnahmen vorstellen. Die Linke möchte zwar individuelle Fördermechanismen für Frauen, wie das Professorinnenprogramm, unterstützen, sieht aber ansonsten “strukturelle Hindernisse” für die Durchsetzung der Chancengleichheit in Forschung und Lehre wie ein “überkommenes Wissenschaftlerideal”, das aber nicht weiter definiert wird.

FDP, Grüne, Linke und SPD fordern einstimmig mehr Kinderbetreuungsplätze an den Hochschulen, nicht nur um familienfreundlicher zu werden, sondern auch als Gleichstellungsmaßnahme, da es großenteils immer noch die Frauen sind, die die Kinder erziehen, wie die SPD bemerkt. Grüne und FDP fordern mehr Engagement für “dual career couples”, also (Ehe-)Paare, die beide in der Forschung aktiv sind, um diesen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Die FDP bemängelt außerdem das hohe Erstberufungsalter, das für Frauen vermutlich ein (noch) größeres Hindernis für die Familienplanung ist als für Männer.

Insgesamt scheint es, dass die Parteien eines der drängendsten Probleme der Wissenschaftler erkannt haben: Das Themenfeld (planbare) Karriere und Familie.

Karrierefragen

Eine Karriereperspektive in der Wissenschaft (für Frauen wie für Männer) ist die Grundvoraussetzung für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit grundlegend mit der Gleichstellungsfrage verknüpft. Karrieremöglichkeiten für (Ehe-)Partner werden deutlich erschwert, wenn der eine Partner mehrere Jahre oder gar Jahrzehnte lang nur auf wenige Jahre befristete Jobs hat und dabei außerdem nicht nur seinen Arbeitgeber, sondern am besten gleich den Kontinent mehrfach wechseln soll.

Zu Karrierefragen haben wir die Parteien im Abschnitt “Wissenschaft als Beruf” ausführlich gefragt. Hier will ich die Antworten diskutieren, die mit der Gleichberechtigung zusammenhängen.

Die Linke will weg vom “Ideal ständiger Verfügbarkeit des (männlichen) Wissenschaftlers” und verlangt perspektivisch abgesicherte Arbeitsverhältnisse. Zudem sollen die Jobs in der Wissenschaft nach Auffassung der Linken transparenter vergeben werden und Bewertungsverfahren müssten doppelblind stattfinden, da damit Nachteile für Frauen verringert würden.

Die FDP bemängelt, dass durch die Reduktion der Universitätsprofessorenstellen vor allem in den geistes-, kultur- und sozialwissenschaftlichen Fächern die Aufstiegschancen für Frauen verschlechtert worden sind, da diese Fächer einen höheren Frauenanteil aufweisen. Sie möchte ein Wissenschaftstarifsystem einführen, das die Karriereplanung in der Wissenschaft verbessern soll, erläutert aber nicht, was die Eckpunkte eines solchen Systems sein sollen.

Sämtlichen Parteien ist zuzubilligen, dass sie sich um sichere bzw. planbare Jobs in der Wissenschaft kümmern wollen. Offen bleibt in dieser kurzen Diskussion der Fragen natürlich, wie das Arbeitswesen in der Wissenschaft im Detail geändert werden soll.  Insgesamt ist wohl einer der wichtigsten Punkte die von der FDP angesprochene frühe Berufung auf feste (bzw. „tenure-track“) Stellen, damit Nachwuchswissenschaftler bald nach der Doktorarbeit wissen, ob sie mit einer Karriere in der Wissenschaft rechnen dürfen oder nicht.

Freiheit der Wissenschaft

Dieses aus meiner Sicht sehr interessante Thema wird nur von den Grünen und den Linken angeschnitten.

Die Grünen betonen die Komplementarität von Freiheit und Transparenz der Forschung. Die Offenlegung der durch staatliche Mittel geförderten Erkenntnisse wird angemahnt. Wissenschaft müsse sich verständlich machen um gesamtgesellschaftlich legitimiert zu werden. Chancen und Risiken müssten diskutiert werden. Ungerechtfertigt und wenig fundiert wirken dagegen die Forderungen an die Wissenschaft, sie solle die “Kommunikation spannend gestalten” und man müsse von Wissenschaftlern im öffentlichen Dialog “Redlichkeit einfordern”. Hier drängt sich der Verdacht auf, Wissenschaftlern werde grundsätzlich Unredlichkeit bei der Diskussion über ihre Themen vorgeworfen. Tritt hier eine grundlegend anti-wissenschaftliche Haltung der Grünen zu Tage, die man in der Tagespolitik oft genug in Fragen der Kernenergie oder der Gentechnik findet?

Die Linke schreibt uns als einzige Partei, dass sie die “Erarbeitung und Verbreitung neuer Erkenntnisse und Methoden” als “Schlüsselfrage der Zukunftsfähigkeit” sieht. Dies ist zunächst sehr zu begrüßen. Sie kritisiert die Große Koalition, weil diese die Mittel für Wissenschaft und Forschung hauptsächlich in marktnahen Disziplinen ausgeweitet habe. Sie fordert mehr Engagement für Grundlagenforschung und möchte die Grundbudgets der Unis und Wissenschaftseinrichtungen ausgeweitet sehen.

Leider haben wir nicht zu allen Fragen von allen Parteien Antworten erhalten, von der größten im Bundestag vertretenen Partei sogar gar keine Antwort. Vielleicht ist die selektive Beantwortung der Fragen dafür aber eines der besten Mittel für jeden selbst zu sehen, wo eine Partei ihre Schwerpunkte sieht. In dem hier diskutierten Themenkomplex „Wissenschaft und Gesellschaft“ scheint bei allen Parteien die Gleichberechtigung der Geschlechter die größte Rolle zu spielen. Hier ist sicherlich Nachholbedarf in der deutschen Wissenschaftslandschaft vorhanden und vielleicht ist dieses Thema der Schlüssel zur Lösung damit zusammenhängender Probleme wie der mangelnden Planbarkeit von Karrieren.

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2 Responses to Science and society

  1. Franz says:

    Nur eine kleine (spitzfindige) Korrektur:
    CDU und CSU sind zwar die größte Fraktion, die größte Partei im derzeitigen deutschen Bundestag ist jedoch die SPD.

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